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Ratinger Allerlei
Die große Brücke der Reichsautobahn im Angertal. Die Schönheit des Angertales lockt immer wieder Hunderte und Tausende hinaus. Seit einigen Monaten hat das liebliche Bachtal einen ganz anders gearteten, neuen Reiz erhalten; denn ein Wunderwerk der Technik ersteht in der Nähe von Gräfgenstein. In einer Länge von 200 Metern überschreitet dort die Brücke der Reichsautobahn das Angertal. Den Wanderer reizt es neben dem Genuß der Naturschönheit auch das brausende Lied der Arbeit in sich aufzunehmen. Es ist ein gewaltiges Stück deutscher Arbeit, das da in der Nähe des jahrhundertealten ehemaligen Rittersitzes „Gräfgenstein“ geleistet wird und auch schon geleistet wurde. Schon die Erdarbeiten! 150 000 Kubikmeter Erde mußten bewegt werden, um der Brücke einen Weg zu bahnen. Eine sauere Arbeit, zumal an 5000 Kubikmeter Felsen dabei war, der gesprengt werden mußte. In den letzten Wochen sieht man das Bauwerk der Brücke ständig wachsen. Die ersten Holzkonstruktionen für die Rundbogen. die später in Bruchsteinen und Beton ausgeführt werden und eine lichte Weite von 24 m haben, sind fertig. Von der Größe der Brücke zeugen die Materialmassen, die dabei Verwendung finden: 35 000 Kubikmeter Beton, 15 000 Kubikmeter Bruchsteinmauerwerk zur Verkleidung der Pfeiler und Brückenköpfe, 5000 Kubikmeter Ziegelmauerwerk. Unsere brave Angertalbahn hat die Materialien unermüdlich herangeschleppt und tagtäglich gehen Materialzüge zur Baustelle, oft 50 Eisenbahnwagen an einem Tage. Die Brücke hat von der Talsohle bis zur Fahrbahn eine Höhe von 36,50 Meter. Es werden zwei Fahrbahnen von je 10,15 Meter Breite nebeneinandergelegt. Ein Eisengeländer schließt die Brücke ab, den Blick von oben nach unten und umgekehrt möglichst freilassend. Seit sechs Monaten ist man mit dem Bau der Angertalbrücke beschäftigt. In fünf weiteren Monaten hofft man das Werk vollendet zu haben. Durch die Bruchsteinbekleidung wird sich die Autobahnbrücke sowohl der Landschaft wie auch den alten Bauten von „Gräfgenstein“ gut anpassen. In Ratingen haben wir Sorge gehabt um unser schönes Angertal. Umso mehr freut man sich, daß beim Bau der Reichsautobahn trotz der Großzügigkeit des Projektes alles nur Mögliche getan wird, um jede vermeidbare Verschandelung des lieblichen Tales zu vermeiden und man mit Erfolg bemüht ist, Schönheit der Natur und Schönheit moderner Technik in Uebereinstimmung zu bringen.
Quelle: https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/organization/VKNQFFAKOR4XZWJJKUX3NGYSZ3QZAXCW
Datengeber:
Universitäts- und Landesbibliothek der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
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